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Post für den Papierkorb - 30 Jahre Spam

05.05.2008 | Spam: Macht 90 Prozent des E-Mail-Verkehrs aus.

120 Milliarden Spam-Mails täglich

120 Milliarden Spam-Mails täglich

Gary Thuerk wollte Porto sparen, als er sich am 3. Mai 1975 an seinen Rechner setzte. Also schickte der Handelsvertreter für DEC-Computer Einladungen zur Vorstellung eines neuen Modells an alle 393 Nutzer des Arpanet an der Westküste der USA. Das Arpanet (Advanced Research Projects Agency Network), Vorläufer des heutigen Internets, wurde im Auftrag der US-Airforce seit 1962 von Forschern unter der Federführung des Massachusetts Institute of Technology (MIT) und des US-Verteidigungsministeriums entwickelt.

120 Milliarden Spam-Mails täglich

Viele Empfänger der unerwünschten Nachricht beschwerten sich direkt beim Absender. Kein Problem - Thuerk hatte seine Identität nicht verschleiert. Er erhielt eine Verwarnung der Arpanet-Betreiber. Machten sich die Provider heutzutage die Mühe, müssten sie wahrscheinlich tausende neuer Arbeitsplätze für Abmahner schaffen. Denn mittlerweile werden täglich bis zu 120 Milliarden Müll-Mails versandt. 2004 hatte Bill Gates noch angekündigt, die Welt binnen zwei Jahren Spam-frei zu machen - zehn Jahre zu spät. Denn bereits 1994 hatten die Rechtsanwälte Laurence A. Canter und Martha S. Siegel aus Arizona in 6.000 Usenet-Groups Spam-Werbung für ihre Kanzlei gepostet. Vom Erfolg angestachelt, schrieben die Juristen ein Buch über die Kunst des Spammens. Leuten, die die Tipps anwandten, wurde damals noch regelmäßig von den Providern der Web-Account gesperrt.  

Gary Thuerk: 393 Spam-Mails versandt.

Aber die professionellen Spammer lernten schnell, ihre Adressen zu verbergen - mittels Botnetzen und Zombie-Rechnern, also PCs, deren Nutzer nichts davon mitbekommen, dass über sie Massen-Mails versandt werden. Um Spam-Filter auszutricksen, genügt es oftmals, Auschnitte aus Online-Büchern in die Mails einzufügen, diese gaukeln den Programmen sinnvollen Content vor. "Der wesentliche Grund für die Masse an Spam-Mails ist, dass die Absender so sicher sein können, dass wenigsten ein paar durch die Filternetze schlüpfen", sagt Adam O'Donnell von Cloudmark, einem Sicherheitsanbieter aus San Francicso.

Raffinierte Fälschungen

John Ayock, Professor an der Universität von Calgary sagt voraus, dass es schon bald Spam-Mails geben wird, die von Programmen so sehr an Sprachstil und Inhalt realer Mails angepasst wurden, dass es viel schwieriger wird, die Müll-Mails als solche zu identifizieren. Damit dürften auch die Kosten für die Spam-Bekämpfung, die laut den US-Marktforschern von Ferris Research 2008 bei 140 Milliarden Dollar liegen werden, weiter steigen.

Spam: Dosenfleisch - Aus der Dose ins Netz

Die britische Komikergruppe Monty Python spielte 1970 einen Sketch, in dem Wikinger in einem Restaurant sitzen, dessen Speisekarte ausschließlich Gerichte mit dem Dosenfleisch Spam auflistet. Jegliche Gespräche im Lokal übertönend, gröhlen die Männer: "Spam, Spam, Spam, wundervoller Spam!" Als in Chaträumen, so genannten MUDs (Multi User Dungeons), Angreifer immer wieder den Text aus dem Monty-Python-Sketch, auf die Bildschirme ihrer Opfer luden, war dies die Geburtsstunde des Begriffes SPAM für unerwünschte Botschaften und Werbung aller Art.

Her damit

Laut einer Studie der Verbraucherzentralen erhalten die Deutschen im Schnitt etwa 100 Spam-Mails pro Woche. Eine Zahl, die Berthold Metz aus Freiburg nur ein müdes Lächeln entlockt. Seit Januar 2007 ist der selbsternannte Spamschlucker auf Rekordjagd. In diesem Jahr will er 200.000 Mails erhalten - das wären 548 am Tag.

Quelle: http://www.chip.de


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